Text und Subtext

"Ich schreibe gern für‘s Theater. Ich mag die Zwänge, die einem dadurch auferlegt werden. Zum Beispiel weiß man, dass man eine Figur nichts direkt sagen lassen kann... Man kann nichts durch die Wörter sagen, man ist gezwungen, es hinter den Wörtern zu sagen. Sie können niemanden sagen lassen: „Ich bin traurig.“ Sie sind gezwungen, ihn sagen zu lassen: „Ich geh eine Runde spazieren.“

(Bernard-Marie Koltès)

Im Text steht: „Ich geh eine Runde spazieren.“ Gespielt werden muss jedoch etwas, was nicht ausgesprochen wird: „Ich bin traurig.“

 

Es gibt also zwei Ebenen:

• Das, was gesagt wird.

• Das, was gesagt wird, indem etwas gesagt wird.

Zur besseren Unterscheidung nennen wir die erste Ebene den Text, die zweite den „Subtext“.

Gesprochen wird der Text, gespielt wird jedoch der Subtext.

 

Das hat Konsequenzen für die Arbeit am Stück:

- Probenarbeit ist Subtextarbeit

- Spielerinnen und Spieler sollten die Text- und Subtextebene voneinander unterscheiden können