Subtext

Der Subtext ist kein „Text“, sondern ein untrennbar verschlungenes Gewebe von Gedanken, inneren Bildern, Gefühlen, damit verbundenen Körperempfindungen und -haltungen. Für Konstantin Stanislawski, auf den die Unterscheidung zwischen Text und Subtext zurück geht, war der Subtext das „nicht offen ersichtliche, aber innerlich spürbare geistige Leben der Rolle, das beständig unter den Worten des Textes strömt und sie unablässig rechtfertigt und belebt“.

 

Der Subtext umfasst das innere Erlebensmuster der Figur in einer bestimmten Situation. Jede Reaktion eines Mitspielers, jedes Bühnenereignis kann und wird dieses innere Erlebensmuster verändern. Daraus folgt: Jede Texteinheit hat ihren eigenen Subtext. (Und hat sie keinen, bleibt sie ausdrucks- und bedeutungslos.)

Das Erlebensmuster des Subtextes findet jede Spielerin, jeder Spieler in sich. Bei der Suche danach helfen Wissen, Imagination und Inspiration: Eine genaue Kenntnis des Stücks und der eigenen Figur, ein fantasievolles Surfen durch verschiedene innere Erlebenswelten und die Bereitschaft, Anregungen und Impulse von außen aufzunehmen.

 

Die Ergebnisse der Subtextarbeit müssen sich nicht zwangsläufig in einer psychologisch „glaubwürdigen“, „realistischen“ Spielweise ausdrücken. Sie können auch in Stilisierungen, Verfremdungen, grotesken Übertreibungen oder abstrakter Reduktion ihre Form finden.