Subtext-Übungen.

Was man sagt, wenn man etwas sagt.

1.

A und B stehen sich gegenüber. Sie sprechen abwechselnd.

A sagt immer nur "ja", B sagt immer nur "nein".

Sie reagieren aufeinander, verändern ihre Stimmungen.

 

Nach der Übung kurzer Austausch über die Erfahrungen.

Was alles konnte mit "ja" und "nein" gesagt werden?

 

2.

A und B stehen sich gegenüber und unterhalten sich in einer Fantasiesprache, die aus "sinnlosen" Lauten und Silben besteht.

 

Ist es überhaupt möglich, "sinnlos" zu sprechen? Wie haben die SpielerInnen das Gespräch erlebt? Worüber wurde "gesprochen"?

Es gibt anscheinend einen Gesprächsinhalt, der unabhängig vom konkreten gesprochenen Text ist.

 

3.

A und B probieren aus, auf wie viele verschiedene Arten der folgende Text gesprochen werden kann (aus "Rapunzel):

 

A:Wer bist du?

B:Ich heiße Mo-Luna und gehöre zu den Zeltleuten.

 

Anschließend entscheiden sie sich für eine Version, die besonders spannend ist und "erfinden" passende Personen dazu, die diesen Dialog führen (z.B. Polizist und Diebin).

 

Nun sprechen sie nicht den Text-Dialog, sondern die Gedanken der jeweiligen Figur innerhalb der Situation. Was denkt A, was denkt B? Sie sprechen alles aus, was ihnen in den Sinn kommt.

Dabei übernehmen sie die Rolle der Figur und sprechen konsequent in der "Ich-Form".

(Zum Beispiel bei A: "Mann, ist das Mädchen schön! Wenn ich nur einen Grund hätte, sie zu verhaften, ich würde sie gleich mitnehmen. Aber das darf ich ja nicht. Ach, egal, die hat doch bestimmt was geklaut...")

Wenn die Gedanken nicht gleich fließend kommen, wiederholen die SpielerInnen den letzten Gedanken mehrmals, eventuell mit zunehmender Intensität.

Anschließend spielen sie wieder die Situation mit dem vorgegebenen Text.

Die Zweiergruppen spielen sich ihre Versionen gegenseitig vor.

 

Bei dieser Übung erleben die SpielerInnen den Unterschied zwischen dem gesprochenen Text und den Erlebensmustern, die "unter" dem Text liegen und ihn hervorrufen.  Dabei kommen nicht nur Gedanken an die "Oberfläche", sondern auch Gefühle und Körperhaltungen.

 

4.

Die letzte Übung mit Dialogpassagen aus dem Stück wiederholen, das gerade geprobt wird. Die SpielerInnen wechseln dabei immer wieder die Ebenen: Mal wird der Text gesprochen, mal werden die inneren Gedanken und Gefühle artikuliert.

 

5.

Weiterführung: Eine andere Person stellt sich hinter den jeweiligen Spieler und artikuliert Gedanken und Gefühle der Figur in Ich-Form. Der Spieler nimmt all das auf, spricht aber nur seinen Text.

 

6.

Viele SpielerInnen sind am Anfang unsicher und zurückhaltend, wenn sie den Subtext sprechen und spielen sollen. Ihnen „fällt nichts ein“. Als Vorübung könnte die Aufgabe gestellt werden, den „Subtext“ eines Gegenstandes (Stuhl, Mülleimer, Tür u.a.) zu sprechen und zu spielen. Wie fühlt sich der Gegenstand? Was will er? Was findet er gut? - Dann wird der Gegenstand verändert (z.B. der Stuhl umgedreht). Wie ändert sich sein Subtext?