Heiner Schnitzler. Märchenstücke.

Rapunzel

Abhängigkeit verdirbt den Charakter.

Wer abhängig ist, ist nicht mehr „bei sich“.

 

Frau Goothel hat ein ganzes Dorf von sich abhängig gemacht. Sie schenkt den Bewohnern ihre zauberhaften „Mosso-Blätter“, stiehlt ihnen dafür jedoch ihre Lebensfreude. Allmählich verändern sie sich, nehmen Stück für Stück Tiergestalt an. Nur Mama und Papa Cappo konnten der bösen Hexe bisher widerstehen - bis sie ein Kind erwarten, und Mama Cappo von den Rapunzeln der Zauberin ißt.

 

Glücklicherweise taucht dann doch noch der Prinz auf und lässt sich mit sanftem Druck überreden, die schöne Rapunzel aus dem Turm zu befreien. Frau Goothel lässt das natürlich nicht ohne Widerstand zu. Doch da haben sich schon alle von ihr los gesagt. Selbst Robin Raabin, ihr (scheinbar) treuester Diener, erweist sich als ihr größter Gegner.

Es spielen mit:

 

Rapunzel

Prinz

Gnorroh, sein alter Knappe

Papa Cappo

Mama Cappo

Frau Goothel, böse Zauberin

Roobin Raabin, ihr Diener (Rabe)

Mo-Luna

 

Assla (Frau Assenheuer, Storch)

Sossa (Pinguin)

Pokka (Frau Pockmüller, Ente)

Cocco (Herr Kornmüller, Hahn)

Muulina (Frau Moser, Kuh)

Grozzo (Schwein)

Zischka (Hund)

Plopoplop (Papagei)

Schloff (Schaf)

Hosso-Bosso (Hamster)

Bssora (Biene)

E-tagg (Esel)

Lippi (Hase)

Hircco (Habicht)

Pflowau (Pfau)

 

(Die „Tiere“ können von Kindern oder Erwachsenen gespielt und männlich oder weiblich besetzt werden. Je nach Bedarf können neue „Tiere“ hinzu erfunden bzw. einige gestrichen werden.)

Prinz:

Hier ist es nett. Ich denke, wir machen mal `ne Pause.

    (Gnorroh will Ballast abwerfen)

Nein, nein, behalt die Sachen ruhig auf. Sonst brauchst du wieder ewig, bis du alles eingesammelt hast. ...

    (holt sich aus Gnorrohs Rucksack eine Flasche und einen Becher und trinkt. Gnorroh stöhnt unter der Last.)

Unterbrich mich nicht, Gnorroh. Aber diese Abenteuer-Tour finde ich ätzend.

    (Gnorroh stöhnt.)

Willst du auch einen Schluck?

    (Gnorroh will die Flasche greifen, der Prinz zieht sie zurück.)

Ach nein, besser nicht. Sonst musst du soviel Pipi machen, und es geht noch langsamer voran... Ja, ja, Abenteuer müssen wohl sein, wenn man Prinz ist. Ganz klar. Dann kommt man zurück und erzählt spannende Geschichten. Robbo behauptet, dass er eine verschlafene Prinzessin aus einer Rosenhecke befreit hat. Und Marius erzählte, er hätte sieben Zwerge mit einer Prinzessin im Glassarg getroffen. Plemplem...

    (Gnorroh stöhnt.)

Unterbrich mich nicht. Das dickste Ei hat uns Ulibo aufgetischt - er sei in einen Frosch verwandelt gewesen, zehn Jahre lang. Und dann hätte ihn eine Prinzessin an die Wand geworfen. Alles Märchen. Ganz klar. Ich hoffe, mir fällt auch noch was ein, was ich zu Hause erzählen kann. Lass mal unsere Kartei sehen...

    (Geht zu Gnorroh und zieht ein paar Zettel aus dem Rucksack.)

Was die Leute so alles schreiben! Mhm. Da soll es so ne alte Hexe in `nem Lebkuchenhaus geben, die wir vertreiben sollen... Da kann ich nur lachen.

    (Nach und nach kommen „Tiere“. Zischka schnüffelt am Bein von Gnorroh. Der Prinz sitzt mit dem Rücken zu ihnen und sieht sie nicht.)

 

Gnorroh:

Pri... Pri... Prinz...

 

Prinz:

Unterbrich mich nicht. Und hier, ein Brief aus Hameln. Die haben `ne Rattenplage.... Ich bin doch kein Kammerjäger!

 

Gnorroh:

Prinz!

 

Prinz:

Unterbrich mich nicht! Und das? Ein ziemlich alter Brief. Fünfzehn Jahre alt... „Bitte helft uns. Eine Zauberin, die Frau Goothel heißt, hat alle Menschen im Dorf verzaubert. Sie verwandeln sich in Tiere.“... Wo gibt‘s denn sowas: Menschen, die sich in Tiere verwandeln!

 

Cocco:

Na, hier bei uns natürlich!

 

Aufführungsrechte beim Deutschen Theaterverlag

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