Heiner Schnitzler. Märchenstücke.

Ich habe einen Kater (frei nach: Der Gestiefelte Kater)

Das Leben ist nicht fair. Und die Ungerechtigkeit lauert überall.

 

Da schufften die beiden Müllersburschen tagein, tagaus und haben nichts davon, weil sie am Ende ihren Verdienst dem königlichen Minister Don Norro abliefern müssen. Der wiederum ist von heftigem Leibwusseln geplagt, soll jedoch dem König die Arbeit des Regierens abnehmen. König Ulff von der Schluff ist nämlich ein begnadeter Plätzchenbäcker, aber ein unbegabter Regent. Prinzessin Solfou dagegen, seine Tochter, würde gerne regieren, stattdessen muss sie unter Anleitung des Grafen Macakkuk  ständig schroppsen und schroffen.  Am schlimmsten ergeht es den Kindern im Waisenhaus, sie arbeiten von früh bis spät, ohne Lohn und mit hungrigen Mägen.

 

Der Gipfel der Ungerechtigkeit ist jedoch, dass der faule Ferdi den ganzen Tag auf seinem Strohsack verdöst und am Ende trotzdem sein Glück findet, eine Prinzessin und ein ganzes Königreich gewinnt. Und das nur, weil er einen Kater hat!

 

(Einen ungewöhnlichen Kater allerdings, denn der kann sprechen und hat eine Vorliebe für große Stiefel...)

Es spielen mit:

 

Kinder des Armenhauses:

Mona

Rubin

Urbin

Fülle

Kind 1

Kind 2

Kind 3

und weitere

 

Kasimir, der Kater

Ferdi, der jüngste Müllersohn

Orthwin, der älteste Müllersohn

Sakko, der mittlere Müllersohn

Madame Walburga Knochenfuß, genannt „Die große Piedossa“, Leiterin des Arbeitshauses

Don Norro, Minister des Königs und Zauberer

König Ulff von der Schnulff

Prinzessin Solfou

Graf Macolic

Graf Macunic

Graf Macakkuk

Graumann, der Esel

Kater:

(Alarmiert) Miau! Ferdi! Das kannst du nicht zulassen! Bleib' hier!

 

Ferdi:

Es geht... nicht. Ich muss ... mein Glück suchen.

 

Kater:

Dann such' es doch hier! (läuft zu verschiedenen Orten) Oder hier! Oder hier, in der Scheune. Da hab’ ich schon viele saftige Mäuse entdeckt. Da wirst du auch dein miau.... dein Glück finden! Miauu-u-u! – Du kannst mich doch nicht diesen...  diesen Katzenmördern ausliefern!

 

Mona:

Du willst ja nicht mit ihm gehen.

 

Kater:

Sein Glück ist doch hier! Hier! Und nirgendwo sonst! Miau!

 

Mona:

Wo ist es denn? Wo? Hier seh’ ich kein Glück! - Für niemanden...

 

Kater:

Ich miaue... finde es für ihn, ja? Du bleibst hier, Ferdi, und beschützt mich! Und ich miau dafür dein Glück! Miau?

 

Ferdi:

Du? Du bist ein... ein Kater!

 

Kater:

Aber was für einer! Ich bin der Chef im Revier! Ich kann sprechen! Im Dunkeln sehe ich zwanzig Meter weit! Und riechen miau .... kann ich alles! (Schnüffelt) Jetzt zum Beispiel rieche ich, dass die Würstchen in der Pfanne angebrannt sind! Miau!

 

Mona:

Aber jeder sieht doch, dass du ein Kater bist!

 

Kater:

Ich verkleide mich. Ich ziehe mich an wie ein Mensch, dann erkennt mich niemand! – Ferdi! Bleib hier! (bettelnd) Ich finde dein Glück! Miau.... Miau.... (Hält ihm die Pfote hin. Nach kurzem Zögern schlägt Ferdi ein.)

 

Ferdi:

Na... na gut. Ich versuch’s...

 

Kater:

(schmust mit ihm) Danke! Miau... mein Beschützer! Miau.... – Jetzt los! Hol' mir einen Umhang... und einen Hut!

 

Mona:

(läuft zu den Schlafstellen, holt eine alte Decke) Hier, dein Umhang! (wirft dem Kater die Decke über. Es staubt...)

 

Ferdi:

(nimmt einer Vogelscheuche den Hut ab) Hier, ... dein Hut! (der Kater setzt sich den Hut auf)

 

Kater:

(stolziert herum) Miau! Ich seh’ fast aus wie ein edler Herr! Miau! Jetzt fehlt mir nur noch eines...

 

Ferdi:

Was... was denn noch?

 

Kater:

Na, denk mal nach! Was wohl? Miau? (Pause) Stiefel natürlich!

 

Ferdi:

Stiefel?

 

Kater:

Jeder Glückssucher miaut Stiefel. Man kommt nur voran, wenn man Stiefel hat. Stiefel miauen Kraft! Stiefel miauen Autorität! Stiefel miauen Respekt ein! Mit Stiefeln miaut man bei den Menschen alles. Sogar das Glück....

Aufführungsrechte beim Deutschen Theaterverlag

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