Heiner Schnitzler. Märchenstücke.

Des Kaisers neue Kleider

Wenn sich Macht und Eitelkeit verbinden (- und wann tun sie das nicht?), haben die Untertanen nichts zu lachen.

 

Dann denkt ein Kaiser, dass seine pure Anwesenheit ausreicht, um das Volk glücklich zu machen. Er baut lieber Paläste und lässt sich prächtige Kleider nähen, als sich um sein Land zu kümmern.

 

So einer ist natürlich verführbar, was Klotz und Stotz geschickt ausnutzen. Sie versprechen ihm die prächtigsten Kleider der Welt und füttern ihn mit immer neuen Eitelkeiten. Was für ein Durcheinander, als plötzlich alle im Land dunkle Sonnenbrillen tragen müssen, damit sie von seiner strahlenden Schönheit nicht geblendet werden!

 

Und dann, endlich, darf er die wunderbarsten Kleider selbst tragen. Nur dumm, dass sie von allen, die ihr Amt und ihr Geschäft nicht verstehen, weil sie zu faul oder zu dumm dafür sind, nicht gesehen werden können. Was soll der Kaiser davon halten, dass er selbst diese Kleider nicht sehen kann? Egal - Augen zu und durch!

 

Nur diejenigen, die nichts zu verlieren haben, die kein Amt bekleiden und keine Privilegien genießen, die sie verlieren könnten - die sind frei genug, die Wahrheit zu sagen.

 

Und am Ende zwingen sie ihn sogar dazu, grüne Latzhosen zu tragen! Igitt!

...

 

Zeremonienmeister:

Achtung! Achtung! Blicket ehrfurchtsvoll hierher! Es kommt der allerschönste und prächtigste Kaiser. Bejubelt ihn in aller Ehrfurcht! Hier und heute in diesem Augenblick, kommt der Kaiser Nibelius Nobelius der Achtundsiebenzigste! Neun - acht - sieben - sechs - fünf - vier - drei - zwei - eins - hier ist er! Tätätä!

(Auftritt des Kaisers mit großem Pomp)

 

Kaiser:

Ich! - Ich der prachtvolle Kaiser Nibelius Nobelius der Achtundsiebenzigste, besuche Euch, mein Volk!

 

Volk (lustlos):

Hoch! Hoch! Hoch!

...

Kaiser:

Danke, danke! Euer Jubel beglückt mich! - Mein liebes Volk! Ich besuche Euch, um meine Pflichten als Herrscher zu erfüllen!

 

Mlle. Frechdachs:

Na wunderbar! Da wird‘s aber Zeit.

 

Kaiser:

Jawohl! Und was ist meine höchste Pflicht? Meine höchste Pflicht ist es, dass ich mich meinem Volke zeige. Damit Ihr Euch an meinem Anblick erfreuen könnt!

 

....

Es spielen mit:

 

Der Kaiser Nibelius Nobelius XXXXXXXVII.

Innenminister/in

Außenminister/in

Hofdichter/in

Hofmaler/in

(Hof-)Schneider/in

Zeremonienmeister/in

Klotz

Stotz

Lehrer/in

Gärtner/in

Köchin

Mamsell Frechdachs

Diener

Kinder

Volk

Aufführungsrechte beim Deutschen Theaterverlag

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